VDL trotz Coronakrise weiterhin gewinnbringend
Eindhoven, Freitag, den 4. September 2020

VDL trotz Coronakrise weiterhin gewinnbringend

4 September 2020

Die Folgen der Coronakrise gingen im vergangenen Halbjahr nicht spurlos an der VDL Groep vorüber. Umsatz und Ergebnis des industriellen Familienunternehmens mit Hauptsitz im niederländischen Eindhoven entwickelten sich in den ersten sechs Monaten 2020 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum rückläufig. Die positive Nachricht ist jedoch, dass VDL das erste Halbjahr 2020 dank der Risikostreuung mittels Diversifizierung dennoch gewinnbringend abschließen konnte. Die Coronakrise traf vor allem die Automobilindustrie hart, während andere Branchen wie Hightech, Infrastruktur, Nahrungsmittel und Gesundheit weniger stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Angesichts der anziehenden Marktnachfrage sieht man dem zweiten Halbjahr 2020 zuversichtlich entgegen.

Der kombinierte Umsatz belief sich nach den ersten sechs Monaten 2020 auf 2,0 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 32 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 (2,9 Milliarden Euro). Das Nettoergebnis ging in den ersten beiden Quartalen von 76 Millionen Euro im Vorjahr auf 25 Millionen Euro zurück. Der Auftragsbestand der VDL Groep (ohne Geschäftsbereich Automontage) stieg von 1.158 Millionen Euro in Woche 1/2020 auf 1.231 Millionen Euro in Woche 35 an. Die Zahl der Mitarbeiter sank seit Ende 2019 auf 15.320 in Woche 26, was einem Rückgang von 2,7 Prozent entspricht. 

Schwierige erste Jahreshälfte

„Wir blicken auf eine schwere erste Jahreshälfte zurück“, erläutert Vorstandsvorsitzender Willem van der Leegte. „Bei einigen Unternehmen lag die Produktion ganz oder teilweise still, und fast all unsere 104 Gesellschaften wurden auf die eine oder andere Weise mit der Krise konfrontiert.“ Die Coronakrise wirkt sich auf drei Faktoren aus: Material, Mitarbeiter und Marktnachfrage. Um produzieren zu können, müssen diese drei Faktoren zu gleicher Zeit in ausreichendem Maße vorhanden sein. In verschiedenen Branchen war dies leider nicht der Fall. Van der Leegte: „Dass wir dank der strategischen Streuung unserer Aktivitäten und unseres Anpassungsvermögens dennoch gewinnbringend geblieben sind und all unsere festen Mitarbeiter behalten konnten, stimmt uns positiv.“

Da VDL infolge der Coronakrise einen erheblichen Teil seines Umsatzes verlor, machte man von der staatlichen Überbrückungsmaßnahme zur Sicherung der Beschäftigung (Tijdelijke noodmaatregel overbrugging voor behoud van werkgelegenheid/NOW) Gebrauch, die einen teilweisen Ausgleich der Lohnkosten vorsieht. Mit der staatlichen Beihilfe in Höhe von 50 Millionen Euro konnten die Gehälter der Mitarbeiter weitergezahlt werden, die vorübergehend keine Arbeit hatten oder nur teilweise beschäftigt werden konnten. VDL begrüßt die schnelle, großzügige und umfassende Regelung, mit der der niederländische Staat die von der Krise betroffenen Unternehmen unterstützt. Da VDL während des Bezugszeitraums der zweiten NOW-Regelung ebenfalls einen erheblichen Umsatzrückgang erlitt, wurde auch die Förderung im Rahmen von NOW-2 in Anspruch genommen.

Zulieferungen

Dieser Geschäftsbereich verzeichnete einen Umsatzanstieg von 649 Millionen im ersten Halbjahr 2019 auf 700 Millionen Euro im selben Zeitraum 2020. Dieser Anstieg ist insbesondere der Nachfrage in Märkten wie Hightech, Infrastruktur, Nahrungsmittel und Gesundheit zu verdanken. Dank der Konzentration auf hochwertige Innovationen konnten wir unsere Position in diesen Segmenten weiter festigen. Der Geschäftsbereich Zulieferungen schloss das erste Halbjahr gewinnbringend ab.

Automontage

Wie bekannt wurden bei VDL Nedcar dieses Jahr weniger Autos gebaut als 2019. Der Umsatz belief sich nach zwei Quartalen auf 903 Millionen Euro gegenüber 1.620 Millionen Euro im selben Vorjahreszeitraum. Infolge verschärfter Emissionsnormen, weltweiter Handelsbeschränkungen und disruptiver Entwicklungen befindet sich die Automobilindustrie in turbulentem Fahrwasser. Die dann noch hinzukommende Coronakrise führte anfänglich zu einer Knappheit an kritischen Komponenten, wodurch VDL Nedcar die Produktion im März für über 6 Wochen unterbrechen musste. Seit Anfang Juni werden jedoch in zwei Schichten wieder Autos gebaut. Die Coronakrise führte darüber hinaus zu einem Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Neuwagen. Infolge der Auswirkungen dieser Entwicklung leitete unser Auftraggeber BMW Group eine Umverteilung der zu bauenden Modelle und der damit zusammenhängenden Produktionsvolumen in allen Fabriken weltweit in die Wege. VDL Nedcar wird darum das zusätzliche BMW-Modell, über das 2019 ein Vertrag mit der BMW Group geschlossen worden war, doch nicht bauen. Momentan führen wir mit unserem Auftraggeber Gespräche über die Möglichkeit des Baus anderer Nachfolgemodelle, damit wir die Zusammenarbeit mit BMW dauerhaft verlängern und die Beschäftigung in Born langjährig sichern können. Darüber hinaus sprechen wir mit potenziellen neuen Auftraggebern, die möglicherweise in Born Autos bauen lassen wollen. Um neue Kunden unterstützen zu können, arbeiten wir mit der Provinz Limburg im Rahmen der Bauleitplanung der Provinz (PIP) zusammen, um unsere Niederlassung zukunftsfest zu gestalten. Bei VDL Nedcar als unabhängigem Autohersteller gehört Flexibilität zu den Kernkompetenzen. Ein großartiges Kompliment für unsere Mitarbeiter ist, dass VDL Nedcar in diesem ersten Halbjahr mit gleich drei „JD Power“-Awards ausgezeichnet wurde: für den MINI Countryman, den MINI Cooper und, auf dem Gebiet der Qualität, als drittbeste Autofabrik Europas und Afrikas. Ein weiterer Meilenstein ist, dass letzte Woche in Born der 800.000. Wagen für die BMW Group vom Band rollte. VDL Nedcar mit seinen über 4.600 Mitarbeitern schloss das erste Halbjahr gewinnbringend ab.

Busse

Dieser Geschäftsbereich verzeichnete einen Umsatzrückgang von über 50 Prozent: von 308 Millionen im ersten Halbjahr 2019 auf 146 Millionen Euro im selben Zeitraum 2020. Die Coronakrise hat zu großer Ungewissheit hinsichtlich der Marktnachfrage nach Bussen geführt. Da die Reisebranche fast zum Erliegen gekommen ist, blieb die Nachfrage nach Reisebussen sehr begrenzt. Bei Bussen für den öffentlichen Personenverkehr droht insbesondere in den Niederlanden ein Aufschub der Ausschreibungsverfahren, was schwerwiegende Folgen für die Produktion dieser Busse hat. Im Ausland werden Ausschreibungsverfahren mit Blick auf die Ökologisierung des öffentlichen Personenverkehrs fortgeführt. Da drei Faktoren (Material, Mitarbeiter und Marktnachfrage) nicht gleichzeitig und in ausreichendem Maße vorhanden waren, haben einige der diesem Geschäftsbereich angehörenden Produktionsbetriebe die Produktion im ersten Halbjahr 2020 vorübergehend stillgelegt.

Insbesondere die Vergabe des Auftrags für Hunderte von Elektrobussen für Konzessionen in den Niederlanden an chinesische Konkurrenzhersteller macht 2020 für den Geschäftsbereich Busse zu einem schwierigen Jahr. Wir rufen die europäischen Regierungen weiterhin dazu auf, Maßnahmen zu treffen, damit unsere hochwertige Produktionsindustrie nicht ruiniert wird, was schließlich auch schwerwiegende Auswirkungen auf die damit verbundene Beschäftigung hätte. Der Geschäftsbereich Busse erwirtschaftet Verluste. 2019 bewies VDL Bus & Coach, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Auswirkungen der Coronakrise und die unfairen Wettbewerbsbedingungen in der Welt infolge von staatlichen Beihilfen, Importzöllen, Maßnahmen zum Schutz von Inlandsmärkten, unterschiedlichen Beschäftigungsbedingungen und Umweltvorschriften führten jedoch dazu, dass die positive Entwicklung nicht fortgesetzt werden konnte.

Fertigprodukte

Unsere Gesellschaften des Geschäftsbereichs Fertigprodukte erzielten im ersten Halbjahr 2020 einen Gesamtumsatz von 232 Millionen Euro gegenüber 346 Millionen im selben Vorjahreszeitraum. Dieser Verlust erklärt sich durch eine rückläufige Marktnachfrage bei den Gesellschaften dieses Geschäftsbereichs infolge der Coronakrise. Der Geschäftsbereich Fertigprodukte schloss das erste Halbjahr gewinnbringend ab.

Aussichten

Obwohl es unter den aktuellen Umständen kaum möglich ist, belastbare Prognosen abzugeben, sieht die VDL Groep dem zweiten Halbjahr 2020 einigermaßen zuversichtlich entgegen. Unser Auftragsbestand weist darauf hin, dass die Marktnachfrage kurzfristig wieder anziehen wird. Dadurch erwarten wir, dass die zweite Jahreshälfte positiver verlaufen wird als die ersten sechs Monate. Infolge der Auswirkungen der Coronakrise werden Umsatz und Ergebnis für das gesamte Jahr 2020 jedoch hinter 2019 zurückbleiben. Der angestrebte Umsatz der VDL Groep für das gesamte Jahr 2020 wird voraussichtlich etwa 25 Prozent unter dem des Vorjahres liegen. Obwohl wir angesichts der aktuellen Umstände unsere Ausgaben besonders kritisch im Blick behalten, bleiben außer der Erhaltung von Arbeitsplätzen auch Investitionsprogramme für die Bereiche Innovation und Digitalisierung ein wichtiger Faktor.

Über die VDL Groep

Gemeinsam stark – dies ist das Fundament der VDL Groep, eines international tätigen industriellen Familienunternehmens mit Hauptsitz im niederländischen Eindhoven. Das Unternehmen wurde 1953 von Pieter van der Leegte gegründet. Ursprünglich war die VDL Groep auf die Metallbearbeitung spezialisiert; als dann aber Pieters Sohn Wim van der Leegte 1966 die Firma übernahm, spezialisierte sich das Unternehmen auf die Hightech-Zulieferung, unter anderem für die Halbleiterindustrie, während das Portfolio um Kunststoffverarbeitung und die Entwicklung, die Produktion und den Verkauf von Bussen erweitert wurde. Die VDL Groep ist ein bedeutender Akteur auf dem Gebiet der Zulieferungen und der Halberzeugnisse, stellt eigene Fertigprodukte wie Federungssysteme, automatisierte Einrichtungen für Automobilwerke, Wärmetauscher und Containerhandlingsysteme her und verfügt mit VDL Nedcar in Born über das einzige Pkw-Werk in den Niederlanden, in dem serienmäßig Fahrzeuge für Dritte montiert werden.
Die Innovationskraft der VDL Groep basiert auf einer Kombination von Fachkunde, unternehmerischer Initiative und hochwertigen Maschinen. Die Unternehmensgruppe verbindet die Schlagkraft eines Multinationals mit der hierarchisch flachen Organisation und dem offenen, informellen Arbeitsklima eines Familienunternehmens, das den Entwicklungsmöglichkeiten der Belegschaft und der Kontinuität großen Wert beimisst. Seit 2016 steht die dritte Generation der Familie van der Leegte am Ruder. Die VDL Groep ist mit über 15.000 Mitarbeitern in 20 Ländern aktiv. Die Unternehmensgruppe besteht aus 104 Konzerngesellschaften, die jeweils auf eine bestimmte Sparte spezialisiert sind und eng zusammenarbeiten. Der kombinierte Jahresumsatz belief sich 2019 auf 5,780 Milliarden Euro.
Nähere Informationen: www.vdlgroep.com

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, wenden Sie sich bitte an:

VDL Groep
Abteilung Kommunikation
Telefon +31 (0)40 292 50 00

Miel Timmers, Sprecher
Mobiltel. +31 (0)6 14 76 70 66

 

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